Alterswohnen integriert: VPOD erwartet konkrete Strategie vor Umstrukturierung

Am 23. September berät der Grosse Stadtrat den Bericht und Antrag «Alterswohnen integriert». In Anbetracht der sich wandelnden Bedürfnisse von älteren Menschen und der demographischen Entwicklung, aber auch in Hinblick auf den Fachkräftemangel erachtet es der VPOD als der richtige Zeitpunkt, sich mit Fragen zu der zukünftigen Ausgestaltung von Leben, Wohnen und Betreuung/Pflege im Alter zu befassen.

Der VPOD Luzern begrüsst den Entscheid des Stadtrates Luzern das Modell «Integrierte Versorgung» weiter zu verfolgen. Allerdings erweckt der Bericht und Antrag den Anschein, der Luzerner Stadtrat habe bereits das Ziel vor Augen, bevor eine Strategie zur integrierten Versorgung feststeht: Namentlich der Zusammenschluss der Viva Luzern, Spitex Stadt Luzern und Vicino. «Bevor aber über eine mögliche Fusion der verschiedenen Angebote diskutiert wird, ist es für den VPOD zwingend, auch andere Möglichkeiten im Bereich der integrierten Versorgung auszuloten» sagt Melanie Setz, Präsidentin des VPOD Luzern. Und weiter: «Die Zusammenführung der Organisationen soll als Option geprüft werden, kann aber nicht als einzige Lösung aller Fragestellungen und Schnittstellenprobleme der integrierten Versorgung dienen.».

Die Stadt agiert im Rahmen der Pflege-, Betreuungs- und Dienstleistungsversorgung in mehrfachen Rollen (bspw. Leistungsbestellerin, Tarifverhandlungspartnerin und bei der Viva auch Eignerin). Diese müssen mit dem Projekt „Alterswohnen integriert“ unbedingt geklärt werden. Insbesondere im Hinblick auf einen allfälligen Zusammenschluss der grössten Angebote.

In Bezug auf die Option «Zusammenschluss» beurteilt der VPOD weitere Punkte kritisch:

  • Die Grösse einer neuen Anbieterin unterschiedlicher Leistungen (ambulant, stationär, Betreuung, Pflege) ist, neben den heutigen Rechtsformen, eine Herausforderung. Die bestehenden Organisationen und Heime haben sehr unterschiedliche Kulturen, dies soll weiterhin Platz haben. Das Ziel sollte demgegenüber weniger und nicht mehr Administration sein.
  • Das Personal muss in den ganzen Prozess einbezogen werden. Der allfällig flexiblere Personaleinsatz bedingt eine Mitnahme von bestehendem Personal durch Finanzierung von Aus- und Weiterbildung. Die integrierte Versorgung kann nur funktionieren, wenn genügend gut aus- und weitergebildetes Personal vorhanden ist.
  • Die Stadt hat eine Steuerungsfunktion bei den Arbeitsbedingungen, die sie wahrnehmen muss. Zu prüfen ist ein GAV für die Spitex und ein GAV für die Langzeitpflege, welcher auch die privaten Heime umfasst.

Damit die Bedürfnisse der Bevölkerung auch in Zukunft politisch eingebracht werden können, ist der VPOD erfreut über den Auftrag der Sozialkommission an den Stadtrat, als Zwischenschritt in einem Bericht die politischen Gestaltungs- und Steuerungsmöglichkeiten im Hinblick auf die integrierte Versorgung darzulegen. Erst danach soll, falls dies tatsächlich sinnvoll erscheint, eine Zusammenführung von Viva Luzern, Spitex Stadt Luzern sowie Vicino konkretisiert werden. Der VPOD begrüsst der von der Sozialkommission vorgeschlagenen Einbezug von Berufsverbänden und Gewerkschaften während des gesamten Prozesses, um die Interessen der Fachkräfte ausreichend zu gewichten.

Ob mit oder ohne Fusion ist es für den VPOD elementar, einerseits die Anstellungsbedingungen in allen Bereichen der stationären und ambulanten Betreuung und Pflege zu sichern und andererseits den älteren Mitmenschen in der Stadt Luzern auch in Zukunft eine bedürfnisorientierte und bezahlbare Wohnform und Betreuung anzubieten.

Für weitere Auskünfte:
Melanie Setz, Präsidentin VPOD Luzern,

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22.09.2021MM B&A Alterswohnen integriertPDF (155 kB)